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Die große Freiheit?

"Viele Leute setzen Freiheit für ihren Hund damit gleich, dass der Hund auf dem Spaziergang ohne Leine laufen darf.
Und ich bin unter den passenden Umständen ein großer Freund von Freilauf und ermögliche ihn meinem Hund sehr oft.
Dass unangeleint aber nicht gleich Freisein bedeutet, habe ich heute wieder sehr eindrucksvoll erleben dürfen und das hat mich sehr traurig gemacht."
Hey Fiffi-Trainerin Daniela Maletzki über vermeintlichen und echten Freilauf.

Freilauf

Gino und ich haben neues Gebiet erkundet. Wunderschöne Feldwege, die zum Erkunden und Rennen eingeladen haben.
Da das Gebiet so weitläufig war, sah ich schon von weitem eine Frau mit einem großen dunklen Hund, der sich später als junge Dogge entpuppen sollte. Der Hund lief ohne Leine.

Bedeutet "ohne Leine" wirklich Freiheit?

Mir fiel auf, dass der Hund einen runden Rücken machte, häufig die Rute einklemmte und immer wieder zusammenzuckte. Mein erster Gedanke war, dass er sich vielleicht vor dem weit entfernt zu hörenden Martinshorn fürchtete. Auf den zweiten Blick war klar, dass dies nicht der Fall ist. Auffällig war, dass der Hund sich hinter der Frau hielt, und wenn er zu ihr aufschloss, immer auf ihrer Höhe zusammenzuckte. Vor ihr zu laufen, traute er sich gar nicht. Mein zweiter Gedanke war: "Der wird sicher nicht nett erzogen und darf sich gar nicht oder nur sehr wenig von der Frau wegbewegen". Leider sollte ich Recht behalten. Einige Zeit später kam uns die Frau entgegen und ich bin mit Gino ein Stück zur Seite ausgewichen. Was sich mir nun bot, hat mich sehr traurig gemacht. Der Hund lief weiterhin frei, ohne Leine. Im Vorbeigehen hörte ich, wie die Frau ihren Hund wiederholt schon beim kleinsten Blick in unsere Richtung anzischte. Abgewechselt nur von einem nicht gerade freundlichen “Fuß!“. Bei jedem Zischen sackte der Hund wieder ein Stück in sich zusammen. Selbst als die Frau aus ihrer Sicht weit genug weg war und dem Hund das Zeichen, dass er laufen dürfe, gab, traute dieser sich nicht weiter weg als vier Meter und dies nur unter ständigem Zurückblicken und sich versichern, ob er auch ja keinen Fehler macht.

"Ängstlich" ist nicht "frei"!

Ja, dieser Hund lief ohne Leine. Und ja, Frauchen hat es sogar geschafft, den Hund ohne Leine an einem anderen Hund vorbeizuführen. Aber zu welchem Preis? Ist es das wert, einen Hund so einzuschüchtern, „nur“ damit er "frei" laufen darf? Und dieser Hund ist leider kein trauriger Einzelfall. Immer wieder sehe ich Menschen, die meinen, ihren Hund unangeleint an (stark befahrenen) Straßen oder sogar in der Stadt ohne Leine laufen lassen zu müssen. Viele dieser Hunde schleichen nur noch hinter ihren Besitzern her, gucken nicht rechts und nicht links und scheinen ihre Umwelt gar nicht richtig wahrzunehmen.

Nach außen "der perfekt erzogene Hund"

Ja, sie laufen ohne Leine, sie laufen "frei". Sie bewegen sich nicht zu weit von ihren Besitzern weg und schauen häufig nach ihnen. Nach außen der perfekt erzogenen Hund. Aber sind sie wirklich "frei"? Freier als ein Hund, der in gleicher Situation an der Leine läuft? Leider bedeutet Freilauf nicht automatisch, frei zu sein und Freiheiten genießen zu können. Angst kann einen Hund mehr an seinen Besitzer fesseln als eine Leine.

Freiheit ohne Angst

Und Gino? Der hatte trotzdem einen schönen Spaziergang und lief stellenweise sowohl mit als auch ohne Leine und durfte tun, was Hunde nun mal so machen. Schnüffeln, Gucken, Rennen, sich auf der Wiese wälzen und sich zwischendurch ein Leckerchen bei Frauchen abholen. Er durfte seinen Spaziergang genießen und hatte einfach mal die Freiheit, Hund sein zu dürfen.


   Foto: Lara Meiburg Photographie

Originalbeitrag geschrieben für und veröffentlicht auf hey-fiffi.com