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Achterbahn der Gefühle – Der alte/kranke Hund

Gedanken über das Zusammenleben mit einem (alten) kranken Hund. Das Zusammenleben mit einem kranken Hund ist nun wirklich kein Zuckerschlecken. Wenn er dazu noch alt wird, dann macht es das Ganze nicht leichter. Das Leben mit einem (alten) kranken Hund kostet Zeit, Geduld, Geld, aber vor allem auch viel Kraft.

Gino

Gino ist ein Deutscher Schäferhund, 10 Jahre alt und war sein Leben lang nicht gesund. Jetzt denkt man bei einem Schäferhund natürlich als erstes an den Bewegungsapparat – insbesondere an die Hüfte – wenn man hört, dass er krank ist. Und tatsächlich, mit dem Alter kommen da natürlich auch die ersten Zipperlein, aber tatsächlich ist der Bewegungsapparat noch sein kleinstes Problem.

Gino war schon immer krank

Gino zog im Alter von 7 1/2 Wochen bei mir ein und als er drei Monate alt war, waren wir das erste Mal beim Tierarzt, weil er krank war. In seiner Welpen- und Jugendzeit waren wir regelmäßig beim Tierarzt wegen allerlei verschiedener „Kleinigkeiten“. Im Laufe der Jahre wurden aus Kleinigkeiten „richtige“ Erkrankungen. Es gab mehr als einmal die Situation, in der ich dachte – „Jetzt verlierst du ihn, das schafft er nicht“. Zum Glück ist Gino ein Kämpfer und immer noch, nicht nur bei mir, sondern auch soweit „wiederhergestellt“, dass es ihm gut geht. Wenn man es nicht weiß, sieht man es ihm nicht an, dass er sehr krank ist.

Es kostet Kraft

Und trotzdem – und da sind wir wieder bei dem Punkt Kraft kosten- ist das Leben mit einem kranken Hund auch als Besitzer schwierig. Eine wahre Achterbahn der Gefühle. Ich weiß nicht mehr, wie oft ich abends nicht einschlafen konnte, wie viele Nächte ich wach gelegen habe, wie oft ich um meinen Hund geweint habe. Die Angst um den Hund ist ein ständiger Begleiter. Ständig fragt man sich: Schaffen wir das? Wie geht es weiter? Was kommt als Nächstes? Immer wieder Grübeleien, ob man das Richtige tut, ob man genug tut, wie viel man dem Hund noch zumuten kann.

Entscheidungen treffen

Gino 2Einen kranken Hund zu haben bedeutet auch, Entscheidungen zu treffen im Sinne des Hundes, auch wenn sie nicht den eigenen Wünschen entsprechen.
Es bedeutet Einschränkungen in Kauf zu nehmen.
Ein kranker Hund kann auch eine finanzielle Belastung sein.
Ich verzichte auf sehr vieles, damit ich Gino die bestmögliche medizinische Behandlung und Betreuung zukommen lassen kann.
Ich höre oft, ob sich das denn lohnen würde, so viel Geld in den Hund zu stecken oder mir wird gesagt: “Also ICH könnte das nicht, so viel Geld.“
Was wäre die Alternative?
Viele Leute (auch Hundeleute) rümpfen die Nase, wenn sie hören, dass ich mehr als einmal nach dem Nach-Hause-Kommen erstmal die Wohnung wischen musste, weil alles voller Hundekotze und Hundekacke war.

Alternativen?

Welche Alternative hätten wir gehabt? Es gibt keine Alternativen für uns. Die Alternative zu „Ich kann das nicht und will das nicht“ wäre ein Leben ohne Gino. Als ich Gino vor über 10 Jahren zu mir genommen habe, war klar „in guten wie in schlechten Zeiten“ und dabei bleibt es. Wir haben viel zusammen durchgestanden und werden das weiterhin tun. Denn das Leben mit einem kranken und zunehmend alten Hund ist auch in anderer Hinsicht ein besonderes. Mit jeder Krise, die wir durchstehen, wird unser Verhältnis tiefer und inniger, wird die gemeinsame Zeit wertvoller.

Romantische Vorstellung oder Realität

Wenn ich früher in Geschichten davon gelesen habe, dass es zwischen Mensch und Hund eine so tiefe Verbundenheit gibt, dass man sich nur über Blicke und Gesten verständigen kann, dass man weiß was der andere denkt und fühlt, dann hab ich mich gefragt, ob das nur eine romantische Vorstellung ist, oder ob es das wirklich gibt. Heute weiß ich: Das gibt es tatsächlich. Das Zusammenleben mit einem alten und kranken Hund bietet einem eine ganz andere und neue Sicht auf die Dinge. Man lernt, seinen Hund und auch sich selbst noch einmal ganz anders kennen. Es erinnert einen daran, was wirklich wichtig ist. Es lehrt einen, den Augenblick zu genießen, sich an Kleinigkeit zu erfreuen, das Beste aus schlimmen Situationen zu machen.

Hoffnung

Vor allem aber zeigt es, dass man die Hoffnung nie aufgeben sollte, dass es sich lohnen kann zu kämpfen.
DAS ist es, wofür es sich lohnt Geld, Zeit, Geduld und Kraft zu investieren.
Das Leben mit einem alten und kranken Hund kann trotz aller Schwierigkeiten eine Bereicherung sein.